Der Kosovo braucht Jesus!
Wir sind in den Kosovo mit der Erwartung auf ein Land gekommen, das muslimisch geprägt und sehr arm ist und generell unserer westlichen Kultur nicht ähnelt. Als wir dann in Pristina, der doch recht modernen Hauptstadt des Kosovo, angekommen sind, war ich sehr überrascht wie fortschrittlich dieses Land doch ist. Die Menschen sind westlich gekleidet, die Meisten besitzen ein Smartphone und die Anzahl an offenen Wlan-Hotspots übertrifft deutlich den deutschen Standard. Auf den ersten Blick erschien mir das Land also sehr wohlhabend und die Probleme der Bevölkerung deutlich kleiner als erwartet.
Doch bis ich wirklich einen tieferen Einblick in die Probleme hier bekommen habe, musste ich mich mehr mit den Menschen, ihren Ängsten und Träumen, sowie der politischen und wirtschaftlichen Situation ihres Landes beschäftigen. Besonders eindrücklich ist mir das in den Gesprächen mit den einheimischen Co-workern der Kinderwochen aufgefallen.
Zu einer Situation kam es, als Jana und ich uns mit unserer Übersetzerin Qliri über unsere Träume unterhalten haben. Sie hat gesagt, dass es ihr größter Traum sei, eines Tages überall hinreisen zu dürfen wo sie will, was durch die angespannten außenpolitischen Verhältnisse des Kosovo fast unmöglich ist. Erst da ist mir klar geworden mit welch einer Selbstverständlichkeit wir über fast jede Grenze dieser Welt fahren und innerhalb Europas noch nicht einmal dafür abbremsen müssen… Dies ist für die Kosovaren alles andere als normal. Um ein einfaches Touristenvisum für Deutschland zu bekommen, müssen sie im Vorfeld um die 100€ bezahlen und können dann nach einem ca. sechs monatigen Auswahlverfahren immer noch grundlos abgelehnt werden, sodass sie dann entweder Kraft, Geld und Zeit aufbringen müssen oder enttäuscht zum Aufgeben gezwungen sind.
Qliri ist 18 Jahre alt, sie hat im Frühling die Schule beendet und sich dann an einer der drei Universitäten des Landes beworben. Sie muss sich an der Uni bewerben, da es im Kosovo keine Ausbildungsberufe gibt, selbst die Krankenschwester muss einen medizinischen Studiengang absolvieren. Einer der Leiter der Gemeinde hat einmal gesagt, dass es im Kosovo den besten Kaffee gibt, da selbst die Barista studiert hat. Qliri hat sich auf mehrere Studiengänge beworben und wurde bei allen abgelehnt. Das ist kein Einzelfall, da es im Kosovo mehr als vier Mal so viele Bewerber wie Studienplätze gibt. Somit wartet Qliri nun ein Jahr, um nächsten Sommer wieder ihr Glück zu probieren, wobei die Wahrscheinlichkeit, angenommen zu werden für sie deutlich geringer ist, da im Kosovo Erstbewerber bevorzugt angenommen werden. Außerdem ist das Problem was der Kosovo mit Korruption und Vetternwirtschaft hat, auch bei der Studienplatzvergabe präsent. Somit gehen Qliris Chancen, im Kosovo einmal auf eigenen Beinen stehen zu können gegen null.
Qliri meinte, dass der einzige Weg, dieser Perspektivlosigkeit zu entfliehen sei, irgendwie ins Ausland zu kommen. Wie fest das Ziel, den Kosovo zu verlassen, in den Köpfen der Bevölkerung eingebrannt ist, wurde mir klar als ich mit Qliri zusammen zum Döner gegangen bin. Obwohl wir zu dritt unterwegs waren hat der Kassierer sie ganz ernsthaft gefragt, ob sie die Chance nach Deutschland zu kommen nicht nutzen will, indem sie mich heiratet. Und diese Denkweise hat selbstverständlich auch flächendeckende Auswirkungen auf den Kosovo. Besonders krass war es Anfang 2015 als jede Nacht Tausende den Kosovo in Richtung Serbien verließen, um von dort aus über die Berge nach Westeuropa zu gelangen. Es war so dramatisch , dass die Gemeinde an dem Busbahnhof von Pristina, an dem die Menschen reihenweise ihre Ausreise antraten, ein großes Plakat aufhingen, auf dem stand: „Do not go! #kosovohashope.“ Die Perspektivlosigkeit hier ist gerade unter den jungen Leuten so groß, dass es nichts gibt was sie im Kosovo hält. Aber wer kann ihnen das übel nehmen? Würden wir nicht auch alles dran setzen ein Land zu verlassen, in dem etwa 17% der Bevölkerung in extremer Armut (Ausgaben von weniger als 0,94 Euro pro Tag) und 45% in absoluter Armut (weniger als 1,42 Euro pro Tag) leben, in dem die Arbeitslosigkeit bei über 40% und die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei über 70% liegt und in dem es in Zukunft durch die höchste Geburtenrate Europas nur noch schwerer wird?
Und diese Perspektivlosigkeit bei den individuellen Personen, die sich aber auch strukturell durch ein ganzes Volk zieht, hat mich persönlich sehr schockiert und hat mich echt Dankbarkeit gelehrt dafür, wie behütet ich in Deutschland aufwachsen durfte und wie positiv ich in meine Zukunft sehen kann. Das ist alles andere als selbstverständlich!
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| Im Romaviertel haben wir Tee verteilt, sauber gemacht und mit den Kindern gespielt |
Was ich aber auch gemerkt habe ist, wie Gott den zum Glauben gekommenen Kosovaren eine neue Perspektive und eine neue Hoffnung gibt. Ein Mitarbeiter der Gemeinde hat uns gesagt, dass er, wenn er Jesus nicht kennen würde, den Kosovo direkt verlassen würde. Aber dadurch, dass er sich bekehrt hat, sieht er wie Gott ihn im Kosovo gebraucht. Man merkt wie sehr Jesus die Hoffnung für den Kosovo ist. Die Gemeinde, ihre Mitarbeiter und ihre Projekte sind ein Licht in der Dunkelheit. Durch sie werden Menschen ermutigt und auch ganz praktisch unterstützt: Die Gemeinde hat 18 Menschen hauptamtlich eingestellt und beschäftigt durch diverse Bauprojekte auch indirekt viele Menschen, was in diesem Land eine enorm große Auswirkung hat.
Mission ist nicht das Aufzwingen einer Religion an die einheimische Bevölkerung, sondern das Weitergeben des Glaubens an Jesus, der den Menschen die benötigte Hoffnung in allen schwierigen Situationen gibt. Und deshalb bin ich mir sicher: Der Kosovo braucht Jesus!
Viele Grüße,
Euer Lenny
Viele Grüße,
Euer Lenny

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