Drei Wochen - Drei Orte - Dreihundert Kinder



Singen, tanzen, springen - lachen, quatschen, diskutieren - basteln, spielen, malen- mitmachen, erleben, genießen - husten, nießen, krächzen - hoffen, beten, erleben - Bluterguss, Kinderbettchen, Durchhaltevermögen - Sonne, Regen, Schnee - Freude, Gottes Segen, Abschied - Woche vier, Woche fünf, Woche sechs - Kinder, Kinder, Kinder.

Diese bunt gemixten Wörter beschreiben am besten unsere vergangenen drei Wochen im Kosovo, die zugleich die letzten drei waren. Hier einen Einblick warum und unsere damit verbundenen Highlights.

Nach unserer ersten Kinderwoche, in der wir uns mit über 100 Kindern durch ein buntes Programm mit Tanz, Musik, Sport, Kunst, Spaß und Spiel gehangelt haben, waren wir anschließend in einem weiteren Center der Gemeinde eingesetzt. Im Stadtzentrum Pristinas gibt es ein Roma Viertel, indem die Gemeinde mit einem Haus für Kinder tätig ist, in das sie jeden Tag zur Hausaufgabenbetreuung kommen können und in dem zusätzlich einmal die Woche ein Teenager- und ein Kindertreffen angeboten und gut besucht wird. Jeden Morgen haben wir daran gearbeitet, dass mithilfe einer neuen Wandbemalung, mehr Farbe in die Räume kommt und haben den Rest des Tages an den alltäglichen Programmpunkten teilgenommen. Besonders genossen haben wir einen Einsatz in die Straßen des Viertels. Mit zwei Besen, heißem Tee und unserer Musikbox haben wir einen Nachmittag bei den Bewohnern verbracht, mit den Kindern dort gespielt, gekehrt, Müll beseitigt und erzählt, was das Center macht und warum. Die Freude, die ein warmer Tee in einem Pappbecher und ein paar nette Worte- oder zumindest ein Lächeln, bereiten konnte, war wirklich unerwartet. Sie zeigte nicht nur die Offenheit der Bevölkerung, sondern auch die Überraschung, die ein Mann in einem Gespräch vermittelte, der gar nicht verstand, warum wir KOSTENLOS Tee verteilen und dazu noch aufräumen. Erstaunlich, was für eine große Wirkung ein für uns doch so kleiner Aufwand haben kann…
An diesem Bild durften nur ein paar ausgewählte Personen arbeiten. Der Rest war zum Zuschauen verurteilt. (Was vor allem die Kinder beneidet haben)

Von kleinem Aufwand konnte die darauffolgende Woche nicht mehr ganz die Rede sein. Gleichbleibend war in dieser letzten Kinderwoche eine zu bemalende Wand (jetzt haben wir gefühlt aber auch alle im Kosovo angemalt) und leider aber auch der gesundheitliche Zustand im Team. Manchen ging es zwischendurch mal besser, andere hat es wieder mehr erwischt- gesund war fast keiner. Aber hier sind wir nicht nur bei den Schlagwörtern husten, nießen, krächzen, sondern genauso bei hoffen, beten, erleben. Am Anfang der Woche hatte ich so gut wie keine Stimme und buchstäblich die Krise im Hinblick darauf, dass ich die nächsten vier Tage jeweils 100 Minuten pro Tag viele Kinder mit unserem Musikworkshop bei Laune halten muss. Aber Gott versorgt und so war meine Stimme nach diesen Tagen tatsächlich besser als am Anfang der Woche, was bei dieser Musikintensität eigentlich nicht möglich gewesen wäre. So erging es uns fast allen und so war es auch mit viel weiterem Improvisationstalent, das von uns gefordert wurde. Sei es ausfallender Strom und damit kein Licht zum Malen, keine Musik zum Tanzen und kein Klavier zum Musizieren oder recht kleine Räume für viele Kinder- wir hatten dort ein echt starkes Team aus Mitarbeitern die uns unterstützen, Gottes Segen, der unsere Arbeit hat gelingen lassen und Spaß an unseren Workshops, die wir an die Kinder weitergeben konnten.
Vor allem hier haben wir erlebt, wie sehr sich die Kinder über die verschiedenen Workshops gefreut haben. 

Vergangene Woche haben wir dann die Altersklasse in zwei Richtungen gewechselt. Ein Mitglied der Gemeinde ist Lehrerin an der amerikanischen, privaten „Priština Highschool“ und unterrichtet dort Deutsch. Auf Anfrage haben wir eine Unterrichtsstunde gehalten, in der wir uns von den Schülern durch die Schule haben führen lassen und ihnen neue Vokabeln beigebracht haben, um dann anschließend Vokabelbingo zu spielen. In zwei von drei Runden hat Lenny gewonnen, was mit einem „Prima gemacht!“ abgesegnet wurde, aber trotzdem wurde uns versichert, dass die Schüler etwas gelernt haben.

Das Kontrastprogramm war die Arbeit im Kindergarten, welchen die Frau des Pastors nach neun Jahren Gebet vor zwei Jahren eröffnen konnte und der mittlerweile mit fast 60 Kindern erfolgreicher ist als alle anderen in der Umgebung. Hier waren wir voll im Alltag der Ein- bis Fünfjährigen drin. Morgens wurde viel gespielt, bevor die Kleinen einmal komplett angezogen werden, um für 20 Minuten draußen zu spielen (Frustrationshighlight: „Der Schuh kann nicht dem Kind gehören, das passt einfach nicht!“ Lösung: Hose ganz hoch, Fuß reinquetschen, Hose runter, ohne die Naht aufzureißen… Nur noch 14 andere Kinder mit je zwei Hosenbeinen). Nach dem gemeinsamen Mittagessen werden alle in Schlafanzüge gesteckt und die 60- 90 Minuten Schlaf sind dann die einzig ruhigen Minuten, die es in diesem Haus gibt. Sie sind gut und wichtig- für uns aber auch nur lange, da wir keine Schicht im Schlafraum der Kinder hatten. Daraufhin folgt ein weiterer Snack, um anschließend zu spielen, basteln oder tanzen, bis die Kinder dann ab 16 Uhr abgeholt werden. Zwischendrin ist man Spielkamerad, Animateur, Zähneputzer, Aufräumer, Toilettenbegleitung, Essenshilfe und manchmal aber auch strenger Erzieher, was mit den Wörtern „ po“ (ja), „yo (nein), „heide“ (komm) und „shpeyt“ (schnell, schnell) semi gut funktioniert. Das bezeugt gerade ein großer violetter Bluterguss, den ich am Arm mit mir trage: Ein kleiner Junge- den man eigentlich nur gerne haben kann, der aber auch oft aggressiv ist, kam auf die Idee, dass er keine Lust habe, aufzuhören seine Spielkameraden zu schlagen. Als ich ihn davon abbringen wollte, hat er sich kurzerhand mit seinen Zähnen in meinem Arm fest gebissen (besser die Erzieher, als die Kinder, war da die abschließende Reaktion und so kann man das Andenken auch mit Humor mit sich tragen). Schmerzfreies Highlight dahingegen war der albanische Feiertag, der im Kindergarten mit traditionellem Essen, albanischer Musik und passenden Kostümen zelebriert wurde. Der albanische Feiertag deswegen, da die Mehrheit der kosovarischen Bevölkerung (ursprünglich) Albaner ist und deswegen in diesem Fall auch deren Feiertage feiert. Es war echt schön, hier noch wirklich viel von Kultur und Tradition mitzunehmen und viel mit den Kindern zu lachen, zu tanzen und zu singen.

In Hana haben wir Little Charlotte gefunden!
Am albanischen Feiertag durften wir den Kosovo nochmal von einer anderen Seite kennenlernen.


So gingen diese letzten drei Wochen zu Ende und es bleiben Freude, Gottes Segen und der Abschied, der jetzt bevorsteht. Das ist noch schwer zu begreifen, da die erste Woche gefühlt gestern war, aber dass die Zeit so schnell vergeht, bezeugt nur, wie schön wir es hier hatten und so hoffen wir, dass es  auch ab nächster Woche in Österreich so weitergeht.

Po! Es war toll!

Eure Charlotte

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