Winterkinder können stundenlang im Schnee feststecken

Für uns war vorgestern ein sehr ereignisreicher Tag; mit zu viel Schnee, Polizei, einem Traktor und viel Gebet. Wir, also Lenny, Stefan und Charlotte, haben uns schon lange auf diesen freien Tag gefreut und die ganze Gemeinde verrückt gemacht, um auf den nahegelegenen Gletscher fahren zu können und uns auf dessen Pisten mit Skiern und Snowboard auszutoben.
Um 6:45 Uhr war Treffen in der Küche angesagt, um 7:30 Uhr rollte der Crafter vom Gemeindeparkplatz und nach 45 Minuten Fahrt kamen wir an - und diese Minuten stehen ganz im Gegensatz zu den Stunden der Rückfahrt.
Nachdem wir mit allem ausgerüstet und versorgt waren, sind wir mit einer ersten Gebetssession- von den vielen, die noch folgen sollten- auf die Piste losgedüst und konnten die acht Stunden bei mäßiger Sicht, aber tollem Schnee, genießen.



Mit der letzten Gondel zurück an unserem Auto auf dem Parkplatz, kam das erste Luft anhalten.
Die Reifen drehten auf dem verschneiten Platz sofort durch, sodass der Crafter nur durch die Kraft von fünf Osteuropäern auf die Straße mänovriert werden konnte. Danach dachten wir, alle Hürden seien überwunden: wir aßen unsere Schokokekse und sangen zu Rolfs Zuckowskis Weihnachtshits.

Diese Idylle wurde nach circa fünf Minuten durch einen 20 sekündigen schrillen Schrei von Charlotte unterbrochen. Grund dafür: auf der zugeschneiten Privatstraße des Gletschers, kam unser Crafter in der Kurve ins Rutschen, wir schlitterten auf die Gegenfahrbahn, nahmen einen Poller mit und konnten unser Auto, um nicht im entgegenkommenden Bus zu enden, auf die einen Meter tiefer liegende, benachbarte, verschneite Wiese reißen.



Da standen wir nun. Im 30 cm Schnee, auf einer Wiese, mit einem zu großen Auto, 10 km vom nächsten Dorf entfernt, bei Dauerschneefall und neben einer Straße, die nur den Zweck hat, die Skifahrer zum Geltscher zu bringen und an der man somit nach Liftschließung die vorbeifahrenden Autos an einer Hand abzählen kann. Wir waren geschockt und gleichzeitig erleichtert, dass wir dem Bus entkommen konnten und das Auto nicht umgekippt ist.

Dann begannen unsere Köpfe und Hände zu arbeiten: Während die Poizei kam und Stefan ihnen die Situation schilderte, hielt Lenny Autos an, um sich nach Schneeketten, Schubkräften und Abschleppseilen durchzufragen. Charlotte rief gefühlt jede Versicherungshotline an, die ihre Telefonnummer jemals irgendwo im Internet hinterlassen hatte, doch leider fühlte sich schon nach den ersten drei Buchstaben unseres Kennzeichens keiner verantwortlich, uns weiterzuhelfen.
Wir hatten uns nach 20 Minuten eine Mannschaft, bestehend aus fünf Autos, zusammengestellt, die den Versuch startete, uns mit Manneskraft und Pappkartons unter den Reifen von der Wiese zu schieben. Nach einem Meter wurde klar, dass das so nicht funktioniert, da mehr Pferdestärken benötigt waren, um unseren Crafter wieder auf die Straße zu bekommen.



Noch während dieser Erkenntnis, verließ uns unsere Mannschaft auf einen Schlag. Und wieder waren wir komplett alleine, aber mittlerweile war es stockdunkel und nur der stetig fallende Schnee war zu sehen.
Und wieder überlegten wir neu: Der österreichische ADAC war sehr geschockt, als er hörte, wie nah wir noch am Gletscher mit so einem großen Auto standen und brauchte das Einverständnis- der ja aber leider nicht zu erreichenden Versicherung- um uns einen LKW- Kran zu schicken, der laut ihm das einzige Mittel zum Zweck sei. Diese Option schied also aus...
In diesen Minuten, in denen alle in unserer Macht stehenden Hilfen wegfielen, mussten wir lernen, ganz auf Gott zu vertrauen. Wir wussten um die Gebete unseres Teams Zuhause und allen anderen, die wir über WhatsApp erreichen konnten und die uns den Rücken stärkten.

"Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt, der kann bei ihm, dem Allmächtigen, Ruhe finden. Denn Gott wird dir seine Engel schicken, um dich zu beschützen, wohin du auch gehst." (Psalm 91,1)

Und tatsächlich kam nach circa einer Stunde im Schnee ein Einheimischer, dessen Vermieter einen kannte, der einen kannte, der einen Traktor besitzt, der uns aus dem Schnee ziehen könnte. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach einer weiteren Stunde fingen unsere Augen an zu strahlen, weil wir den Traktor entdeckten. Und noch nie haben sich Mädchenaugen so über ein Fahrzeug gefreut! Der Traktor kam und fünf Minuten später war das Auto draußen und er schon wieder weg. Wir standen zwar auf der falschen Straßenseite (sprich, als würden wir gerade zum Gletscher fahren) aber wir setzten uns frohen Mutes hinters Lenkrad, in der Annahme, unser Team gleich wiederzusehen.



Motor an, Gang rein- durchdrehende Hinterreifen. Motor aus, Motor wieder an, nicht nur durchdrehende, sondern wegrutschende Reifen. STOP! Uns war klar, dass wir auch die andere Grabenseite zu intensv kennenlernen würden, wenn wir es mit einem dritten Versuch probieren würden. Ein weiterer Anruf bei Rita, die Zuhause mit uns fieberte, abrufbereit war und uns mit Rat und Tat zur Seite stand, brachte das Ergebnis, dass entweder ein Streufahrzeug kommen müsse, wir an Schneeketten kommen sollten (die wir eben leider nicht besaßen), oder es eine Nacht in einem Hotel werden würde. So brachten wir das Warndreieck raus, schalteten den Warnblinker an, gönnten uns ab und zu ein bisschen Heizung, warteten ab und setzten auf unsere einzige Waffe: das Gebet. Immer wieder bekamen wir ermutigende Nachrichten und befahlen uns und unser auf fast beiden Spuren stehendes Auto dem Herrn an.

Eine weitere Stunde strich ins Land, in der wir Busse per hysterischem Winken runterbremsten, die in uns reingekracht wären, Autofahrer anbettelten, um uns zu Schneeketten zu bringen und dem einzigen Schneefahrzeug- das aber leider sein Salz erst ein paar Meter weiter anfangen durfte zu streuen- böse hinterherschauten. Es war mittlerweile 20 Uhr, wir standen schon fast drei Stunden am gleichen Ort, da kam erneut einer der Busse, der Skifahrer zurück ins Tal bringt und offensichtlich Mitleid mit uns hatte. Der Busfahrer mobilisierte seine vom Après- Ski angeheiterten Fahrgäste und so war es mehr ein schlitterndes Schieben, als ein Fahren; aber wir bekamen den Crafter gewendet und auf die richtige Straßenseite.  Er bot uns an, in seiner von Schneeketten freigemachten Spur langsam hinterherzufahren und so setzte sich unser Auto doch noch an diesem Abend bei 10 km/h und Dauerwarnblinker in Bewegung. So konnten wir die restlichen 40 km nach Hause fahren und nach über vier Stunden Heimreise, unseren Teammitgliedern in die Arme fallen.
Die Anspannung, die uns bis zur letzten Sekunde in den Knochen saß, fiel von uns ab und die erleichterten Nachrichten, die auf unseren Handys eingingen, zeigten die vielen Freunde, die aus der Heimat an uns gedacht haben.

"Der Herr selbst geht vor dir her. Er steht dir zur Seite und verlässt dich nicht. Immer hält er zu dir. Hab keine Angst, und lass dich von niemandem einschüchtern!" (5. Mose 31,8)

Die Situation war sehr stressig und hat uns echt an unsere Grenzen gebracht.
Diese vier Stunden waren für uns ein Auf und Ab in totaler Ungewissheit. Immer wieder dachten wir, dass wir es geschafft hätten und immer wieder wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt, weil es doch nicht weiterging. Aber dennoch - oder gerade deswegen - war und ist es so gut zu wissen, dass wir einen lebedigen Gott haben und auf ihn vertrauen können. Auch wenn unsere Lage perspektivlos scheint, und wir aus unserer menschlichen Sicht keinen Ausweg sehen, dürfen wir daran glauben, dass Gottes Pläne höher sind als unsere.
Deswegen wollen wir euch ermutigen und auch selbst weiter lernen, den Schritt auf die rutschige Straße zu machen. Das heißt, in Momenten, in denen wir keine Kontrolle mehr haben, nicht daran zu verzweifeln, sondern ganz auf Gottes Eingreifen zu vertrauen.

Wir sind Gott sehr dankbar dafür, dass wir unverletzt aus dem Tag rausgekommen sind und bedanken uns bei allen, die in diesen Stunden im Gebet an uns gedacht haben!

Liebe Grüße,
Lenny & Charlotte

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