Wieso braucht Europa eigentlich ein Team?


Wir sind nun sieben Wochen auf Gran Canaria und unser Einsatz hier geht dem Ende entgegen. Wir haben sehr viel erlebt, zusammen schöne und schwere Zeiten durchgemacht und sind uns sicher, dass das Team, was die Insel vor zwei Monaten betreten hat ein anderes war als das, was sie bald verlassen wird. Prägend waren für uns vor allem die harten Zeiten und in eine davon will ich euch heute mit hineinnehmen.

Nach etwa einer Woche auf der Insel wurden wir äußerst schmerzhaft mit der oben genannten Frage konfrontiert: Wieso braucht Europa eigentlich ein Team? Wozu das ganze Spektakel, für das wir so viel Geld, Zeit und Energie opfern? Und hat diese Aktion einen Sinn?

Diese Fragen rüttelten sehr am Fundament der Entscheidung, die sieben junge Menschen circa ein Jahr zuvor getroffen hatten. Es hat 3 Monate Einsatz und eine Woche auf Gran Canaria gebraucht, bis sie zum ersten Mal gestellt wurden.

Die erste Woche auf der Insel war ernüchternd für uns. Vor Ort war schon ein Team von 5 FSJlern, der Laden lief entspannt ohne uns und uns wurden die ersten Wochen auch keine wirklichen Aufgaben gegeben, für die wir verantwortlich waren. Wir waren bei allen Veranstaltungen der beiden Gemeinden dabei, konnten aber hauptsächlich nur tatenlos rumsitzen da die Aufgaben auch ohne uns liefen und unser spanisch leider noch nicht einmal für ein bisschen Smalltalk reichte… Dieses Gefühl, an einem Ort nutzlos zu sein, war für uns eine neue und frustrierende Erfahrung, die dazu führte, dass viele zweifelnde Fragen aufgeworfen wurden - Zweifel am Konzept der Europa-Tour.

Wenn man alle zwei Monate den Einsatzort, die Gemeinde, das Umfeld und die Aufgaben wechselt, kann man nie eine wirkliche Veränderung bewirken. Man kann nie wirklich die Kultur verstehen, sich nie ganz in die Situation der Gemeinde reindenken, um Strukturen zu verbessern und nie wirklich tiefe Beziehungen aufbauen, die Leben verändern können. Ist unser Schluss also, dass die Europa-Tour zwar eine ereignisreiche Bespaßung für sieben Leute, aber keine ernsthafte Bereicherung für unsere Einsatzstellen ist?

Nein! Wir sind uns zwar dessen bewusst geworden, dass wir die oben genannten Dinge als Tour-Team nicht leisten können, sehen aber trotzdem den Sinn in der Idee ,,Europa-Tour“. Und der liegt weniger darin, selber große Projekte aufzuziehen und tiefe Beziehungen aufzubauen, sondern vielmehr darin die, die die Möglichkeit haben ein Jahr lang oder länger an der Einsatzstelle zu arbeiten, zu motivieren, zu unterstützen und zu ermutigen. 

Unsere beiden Teams bei der Wohnwoche mit den spanischen Jugendlichen
Die fünf FSJler vor Ort machen echt einen wichtigen Job. Dadurch, dass beide Gemeinden noch sehr jung sind, bleiben viele Aufgaben an ihnen hängen. Sie kochen den Kaffee für den Seniorenhauskreis, spülen nach jeder Veranstaltung das Geschirr, putzen wöchentlich beide Gemeinden, geben den Spaniern zwei Mal die Woche Deutschunterricht, gestalten die Jugendgruppen mit und machen Musik und Technik im Gottesdienst und bei anderen Veranstaltungen. Die Arbeit der FSJler ist für die Gemeinden so enorm wichtig, dass es schwierig für sie war, zusammen eine Woche Urlaub zu bekommen. Und all diese Arbeiten machen sie jede Woche ein ganzes Jahr lang mit viel Ausdauer und Hingabe. Sie bauen gerade zu den Jugendlichen wirkliche Beziehungen auf und wir sind fest davon überzeugt, dass Noah, Sam, Aki, Jelli und Clari einen Unterschied in dem Leben der Jugendlichen, in der Gemeinde und auf der Insel machen können. Und für uns war und ist es eine große Freude, sie für zwei Monate zu unterstützen und freuen uns umso mehr zu hören, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Vor allem in der zweiten Hälfte unseres Einsatzes, in der wir sehr viele Veranstaltungen organisiert haben und viel zu tun hatten.
Das Gran-Canaria-Team will Anfang Sommer zu einer Jugendmissions-Konferenz aufs Festland fliegen. Für sie wäre es eine gute Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen, mehr geistlichen Input über Nachfolge und Mission zu bekommen und neue Denkanstöße für ihre Arbeit mit den Jugendlichen zu bekommen. Außerdem werden sie dort für die neu gegründete Jüngerschaftsschule der Gemeinde werben.

Die Jüngerschaftsschule ,,Cambio“ wird von zwei Missionarsehepaaren gegründet und soll den Jugendlichen vor Ort und aus Spanien, aber gerade auch Jugendlichen aus dem deutschsprachigen Raum die Möglichkeit geben, den nächsten Schritt im Glauben zu gehen und zu Nachfolgern aus ganzem Herzen zu werden. Die Gemeinde wird für das Projekt ein Haus kaufen und anhand von drei Modulen theoretische Einheiten mit praktischen Anwendungsbereichen verknüpfen, bei denen die Jugendlichen für ihr Leben lernen können.

Um sich die Flüge aufs Festland leisten zu können, braucht das Team noch Unterstützung. Falls ihr sie, ihre Arbeit und die Jüngerschaftsschule unterstützen wollt, wären sie dafür sehr dankbar.


Volksbank Dill eG

DE10 5169 0000 0000 4380 06

Verwendungszweck:

Jüngerschaftsschule + Flug + Spenderadresse

Danke,

Euer Lenny


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