Unsere Wohnwoche – Eine Analyse des Wohlfühlklimas
Die
letzte Woche auf Gran Canaria war eine Wohnwoche mit den Jugendlichen der
Gemeinde. Wohnwoche bedeutet, dass man in der Gemeinde lebt, dabei aber dem
normalen Alltag nachgeht, zusammen isst, Gemeinschaft hat und das Leben teilt. Um
diese Tage zu reflektieren, machen wir uns nun die Methodik des Lebenslinien-
bzw. Wohlfühldiagrammes (oder auch das Riemann- Thomann- Modell) zu eigen, bei
der verschiedene Ereignisse aus der Perspektive des Tour Teams auf einer Skala
von -5 (die Teamkrise inklusive Zweifel an dem Projekt kommen auf) bis +5 (himmelhochjauchzend
und vollmotiviert) kritisch in Bezug auf das Lebensgefühl eingeordnet werden,
um am Ende mit ausgewählten Punkten eine Bilanz ziehen zu können.
Die Ereignisse
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(1) Das Team verlässt
für eine Woche das traute Heim und zieht mit zwölf Spaniern auf die Sofas und
Matratzen der hiesigen, lichtdurchfluteten Gemeinde.
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(2) Die Fifa wird
ausgepackt, um die Nacht zum Tag zu machen. Die Nachtruhe gilt schon seit
vier Minuten.
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(3) Es sind 26
Leute da und man isst gemeinsam bei strahlendem Sonnenschein der durch die am
Morgen frisch geputzten Fenster fällt.
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(4) Die Stadt ist
von Jugendlichen, die Handstände, Menschenpyramiden, Kleidertausch und
Gruppenselfies in der Innenstadt von Doctoral machen, um das Stadtspiel zu
gewinnen.
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(5) Lenny und
Stefan kochen 3,5 kg Linseneintopf für 18 Personen. 3,5 kg Linsen reichen für
58-70 Personen.
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(6) Geschlechterspezifische
Angebote: während die Jungs Fußball gucken, bekommen die Mädels Hennas (=
Kurzzeittattoos)
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(7) Die Spanier
kaufen sich eigenständig Schnitzel, weil das hauptsächlich fleischfreie
Kochen an ihre Substanz geht.
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(8)Der Duschplan,
der zehn Minuten in der einzigen Dusche für jeden vorsieht, wird nur mäßig
genutzt. Duschpartys um 1:45 Uhr machen den Spaniern Spaß. Die Deutschen
schlafen gerne.
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(9) Der Tag wird
im Kerzenschein mit Musik, Gebet und viel Dankbarkeit abgeschlossen
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(10)Der
Gottesdienst sonntags wird vom Team gestaltet und ist mit großer Beteiligung
der Jugendlichen Abschluss der Woche.
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(11)Das Gebet vor
jedem Essen wird mit einem knappen „Oramos“ (= wir beten) in spanische Hände
gegeben, da das spanisch des Teams leider nicht dafür ausreicht.
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(12)Every giant
will fall! Das ist die biblische Wahrheit, die jeden Tag mehr mit Inhalt von
den einzelnen Tourteamlern gefüllt wurde, um sie mit in den Alltag nehmen zu
können.
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Das Diagramm
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Lebensgefühl
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+5
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+4
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+3
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+2
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+1
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-1
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-2
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-3
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x
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-4
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-5
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Ereignis
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1
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2
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3
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4
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5
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6
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7
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8
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9
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10
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11
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12
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Die Bilanz
Wie
man aus dem Diagramm ablesen kann, startete die Woche mit einem deutlich
erkennbaren Hoch: das Lebensgefühl stimmte (1). Das Team hatte sich lange auf
diese Wohnwoche vorbereitet und gerade, dass man nun in ein echt großes Haus
mit vielen Fenstern und viel Platz ziehen kann- wenn auch mit nicht sehr
komfortablen Schlafplätzen- bescherte viel Freude. Die Rahmenbedingungen der
Woche waren durch Unmengen an haltbaren Lebensmitteln, den eben beschriebenen
Räumlichkeiten und den zwölf eintreffenden spanischen Jugendlichen, die diese
Woche mit uns verbringen werden, also wirklich wie erhofft und so ist auch das
Stimmungsbild gut.
Der
doch nicht zu übersehende Abfall des Lebensgefühls wird durch das zweite
Ereignis (2) wohl exemplarisch statuiert. Das Tourteam in leitender Position
hatte Verantwortungen. Wie man es erwartete, mussten die aufgestellten Regeln
in einem angemessenen, nicht zu strengen Rahmen eingehalten werden. So kam es
das ein oder andere Mal dazu, dass spanische Lockerheit und deutsches Regelwerk
in deutlicher Kommunikation aufeinander treffen mussten und man nach einem klärenden
Gespräch aber die gewünschte Regelkonformität entgegengebracht bekam. Über die
Gesichter der Spanier am nächsten Morgen gibt es hier keine Auskunft.
Der
Wohlfühlpegel schlägt wie erhofft nun wieder in den positiven Skalenbereich und
das ist an dieser Stelle keine Einmaligkeit. Spiele, gemeinsame Aktionen-
selbst wenn es das Fensterputzen für die Gemeinde war, Gemeinschaft, Gespräche
und viel Spaß bezeugen die nächsten beiden Ereignisse (3,4). Und das ist es,
was eine Wohnwoche ausmacht. Das Team und die FSJler können die Kontakte zu den
Spaniern und auch untereinander vertiefen und die Spanier genießen es, ihre
drei freien Schultage komplett in der Gemeinde zu sein. Auch an den letzten
beiden Tagen, an denen die Kurzferien vorbei waren, ließ sich die Stimmung
nicht davon drücken, dass man mal für einige Stunden arbeiten musste.

Um
zu verstehen, warum die Kurve trotz der guten Grundatmosphäre im nächsten
Schritt (5) nicht auf diesem Level bleibt, gilt es nun die verschiedenen
Perspektiven zu betrachten. Vorwegnehmend ist es hilfreich, Ereignis sieben
hier nicht außen vor zu lassen. Das Tourteam stellte die Versorgung sicher. Um -
wie man es aus dem eigenen Teamleben gewohnt war- die Kosten nicht zu
überstrapazieren, entschied man sich schon in der Vorbereitung, hauptsächlich
fleischlos und günstig aber gut zu kochen und aus der Erfahrung raus war es
zumindest nicht schlecht, die Menge nicht zu eng zu bemessen. Dass das zur
Folge hatte, dass man nach dem Kochtag von Lenny und Stefan jeden Tag Linsen
essen konnte (das war die reine Tatsache), durfte (das Team versuchte es
zumindest als freiwillig anzubieten) oder musste (die Spanier und auch einige
Deutsche ertrugen es schon nach Tag eins nicht mehr) führte zu mäßiger
Begeisterung. So kauften sich die Selbstständigen dann mal ihr Schnitzel selbst
und aßen es neben den Tourtis, die sichtlich nicht allzu begeistert von ihren
eigenen Plänen waren.
Neben
diesen elementaren Tageselementen, geben Ereignis acht und neun nochmals
Einblicke in den Tagesablauf der Wohnwoche. Die Wohnumstände in der Gemeinde
waren für so viele Menschen gut, mussten aber auch mit ein paar Plänen
organisiert werden. So kam es zu Putz-, Spül-, und Duschplänen, wobei eben
gerade nur letzterer dafür hing, um ihn nicht zu gebrauchen, weil alles
außerhalb der Zeiten natürlich spaßiger ist. Nichts desto trotz hatte man- von
kleinen Ausnahmen abgesehen- reibungslose Alltagsabläufe, die dafür sorgten,
dass es gespült, geputzt und man selbst geduscht war. Wenn das alles und noch
viel mehr an jedem Tag geschafft war, wurde der Tag mit einem gemeinsamen
Abschluss beendet. Es wurde gesungen, gebetet und auf das zurück geguckt, was
geschehen ist, um Dankbarkeit zu teilen. Dabei war es immer wieder schön zu
sehen, was jeden Einzelnen beschäftigt und geprägt hat.
Das
schlägt die Brücke zu dem roten Faden, der uns jeden Tag begleitet hat und der
nicht nur diesen Bericht, sondern auch die Woche und den Aufenthalt des
Tourteams auf Gran Canaria zu einem Ende bringt. „Every giant will fall“ war
das Thema der Woche (12). Es ist eine biblische Grundlage, dass wir glauben,
dass mit Gottes Kraft, die in uns wirkt, keine Herausforderung, keine Aufgabe,
keine Sorgen und kein Problem zu groß zum Überwinden ist. König David, der den
Riesen Goliath besiegt hat und seine Herausforderungen überwunden und
überstanden hat, war uns ein Vorbild und wir konnten jeden Tag in die Bibel
gucken, um besser zu verstehen, was es bedeutet, dass jeder Gigant fallen wird.
Dass wir befähigt und gestärkt durch den Alltag gehen können, bereitet uns Ruhe
und Freude, auf das Wirken Gottes zu vertrauen und uns das auch in unserer
Schwäche zu unserer Stärke zu machen- einer Stärke, die niemals aufhört.
So
sind 20 Jugendliche nach sechs Tagen, viel Linsen, viel Freude und schönen
Erinnerungen wieder in ihren Alltag zurück und das Tourteam in den Urlaub auf
der Insel. Die Bilanz ist durchweg positiv, da die kleinen negativen Ausschläge
nach genauerer, hiermit abgeschlossener Beobachtung, nicht merklich ins Gewicht
fallen und durch schnelle Handlung überwunden werden konnten. Wir gehen mit
gestärktem Glauben aus dieser Zeit und sind dankbar für diese Woche, die wir
planen, durchführen und miterleben durften.
Mit
lieben Grüßen der stillen Beobachterin
Charlotte


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