Das Streben nach Sauberkeit
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| Gute Miene zum bösen Spiel |
Letzte Woche stand für uns als Team
Putzen und Umbauten eines nahgelegenen Wohnheims senegalesischer
Gastarbeiter an. Diese Angelegenheit (die so manche an seine oder
ihre Ekelgrenzen geführt hat) möchte ich mit diesem Blogeintrag aus
verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und euch mit reinnehmen in die
Erlebnisse die verschiedene Teammitglieder gemacht haben.
Charlotte
durchlebt einen Thriller:
Unsere Blicke
trafen sich, als wir auf den Parkplatz rollten und der Motor ausging.
Wir wussten
nicht, was uns erwarten würde, aber dem ganzen Team war klar, dass
uns kein leichter Tag bevor stand.
Das Ziel
unserer Reise lag bedrohlich vor uns. Ein alter, herruntergekommener
Bungalowtrakt, der mit einem verschlossenen Tor von der Außenwelt
abgesperrt war. Mitten in der Einsamkeit, umgeben von Tomatenfeldern,
brannte die Sonne auf uns, als wir uns endlich trauten uns dem
Gebäude zu nähern.
Das Tor knarrte
in seinen Angeln als wir eintraten und ich konnte die Schritte auf
dem Schotter unter meinen Füßen spüren. Vor uns bot sich ein
schrecklicher Anblick. Ich sah die Anderen an und die Angst stand
ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben, als wir all unseren Mut
zusammen nahmen und den verlassenen Innenhof betraten.
Hinter dem Tor
lagen zu viele Türen und hinter ihnen womöglich böse
Überraschungen. Doch wir alle wussten, dass es kein Zurück mehr gab
und vorallem wussten wir auch, dass jetzt die Zeit gekommen war und
dass sich unsere Wege hier trennen würden.
Anisja und ich
bewaffneten uns mit allen Putzutensilien, die wir finden konnten und
öffneten die nächstbeste Tür. Vor uns erstreckte sich ein langer
Korridor. Ich konnte Anisjas Atem in meinem Nacken spüren, als wir
uns bemühten, möglichst leise den Gang zu passieren. Mit jedem
Schritt kamen wir der Tür näher, die unser Ziel war und mir lief
trotz der erdrückenden Hitze ein Schauer den Rücken hinunter. Ich
streckte meine Hand aus, drückte die Klinke hinunter, öffnete
langsam die Tür und...
Mo
wird Held eines Actionfilms:
Laute
Frauenschreie von Links. Danach Geschirr, was auf den Boden fällt.
In dem Gebäude, was vor mir liegt gibt es Probleme! Jemand schreit
um Hilfe. Ich renne zum Fenster, aus dem die Stimmen kommen. Vor mir
zwei verzweifelte Gesichter. Stimmen flehen mich an und bitten nach
Stahlschwämmen und Zewa. Das ist mein Moment! Ich habe eine Mission
und niemand kann mich jetzt noch aufhalten. Ich renne zum Auto,
schmeiße die Tür auf, springe auf den Fahrrersitz und lasse den
Motor aufheulen. Der Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Reifen
quietschen auf dem Asphalt während der Tachozeiger langsam aber
sicher immer höher kriecht. Meter um Meter komme ich meinem Ziel,
dem nächsten Supermarkt, immer näher. Ich reiße das Lenkrad nach
links und merke wie das Hinterteil meines Wagens wegdriftet. Gerade
so bekomme ich die Kurve und schieße auf den Parkplatz. Die Zeit ist
knapp, ich springe aus dem Auto und sprinte in den Laden. Der Auftrag
muss so schnell wie möglich abgeschlossen werden, ich werde
gebraucht. Regal für Regal wird abgesucht. Plötzlich sehe ich, was
ich suche. Stahlschwämme zu meiner Linken. So schnell wie möglich
strecke ich meine Hand aus. Das Zewa finde ich im nächsten Gang. In
atemberaubendem Tempo rase ich zur Kasse. ,,Beeilen sie sich. Es geht
um Leben und Tod” brülle ich die Kassiererin an und reiße mein
Beute an mich. Erneut renne ich zum Auto. Mein Puls ist bei 180. So
schnell wie möglich kämpfe ich mich zurück zu dem Gebäudetrakt,
in dem meine Mission enden wird. Angekommen, laufe ich, so schnell
mich meine Beine tragen können zum Fenster, wo die Hilfsbedürftigen
auf mich warten. Heldenhaft schmeiße ich ihnen Stahlschwamm und Zewa
entgegen, was sie dankend annehmen. Der Auftrag ist erfüllt. Die
Welt ist gerettet, denn nun können Töpfe, Teller und Tassen endlich
gespült und Insekten entfernt werden.
Stefan
beurteilt die kulinarischen Künste der Senegalesen:

Herzlich
Willkommen und guten Abend meine Damen und Herren zu meiner Kochshow
,,Wagners Töpfe, Teller und Tassen”.
Als heutige
Gäste darf ich unsere senegalesischen Freunde begrüßen, die uns
etwas Besonderes mitgebracht haben.
Wie Sie sehen
steht vor mir ein Tisch. Darauf zwei Töpfe aus welchen uns ein
traditionelles Reisgericht anlächelt.
Die Kandidaten
haben sich heute besonders ins Zeug gelegt. Das typische Reisgericht
ihres Landes soll sie zum Sieg führen. Traditionell wird es nicht
mithilfe von Messern und Gabeln zu sich genommen, sondern mit den
Händen.
Die sieben
deutschen Testpersonen zücken ihre Hände und beginnen, den ersten
Reisball zu kneten.
Reis, gebraten
in viel Öl, verfeinert mit Hühnchen, Fisch, Paprika, Möhre und
Aubergine. Eine sehr gewagte Kombi.
Ich bin schon
sehr lange im Geschäft mit meiner Kochshow ,,Wagners Töpfe, Teller
und Tassen”, aber an so etwas extravagantes hat sich bisher noch
keiner meiner Teilnehmer getraut.
Leicht
skeptisch schiebe ich mir meinen Reisball in den Mund.
Unerwarteterweise entspringt in meinem Munde ein Geschmacksfeuerwerk!
Ein leicht scharfer Nachgeschmack tritt hervor. Der Reis hat den
perfekten Gar-grad erreicht. Weder zu matschig, noch zu körnig. Das
Hähnchen liefert eine saftige Note, während der Fisch die nötige
Salze liefert. Auch die frische Koorponente kommt durch das Gemüse
nicht zu kurz. Auf himmlische Weise ergänzen sich die vorher
scheinbar unmöglich kombinierbarenden Zutaten zu einer perfekten
kulinarischen Köstlichkeit.
Der Sieger für
heute steht fest. Die Senegalesen haben mit ihrem traditionellen
Gericht überzeugt und somit den Abend zu einem runden Abschluss
gebracht.
So ging ein ereignisreicher Tag mit vielen Hoch- und Tiefpunkten dem Ende entgegen. An diesem Tag konnten wir lernen, dass es doch nicht immer nur Spaß macht, Menschen zu dienen und dass es auch manchmal Überwindung kostet - dass die Arbeit aber nicht umsonst, sondern wichtig ist und auch gewertschätzt wird.
Alles Liebe,
Eure Jana


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